“Stadtentwicklung muss zur Sache der Bürgerinnen und Bürger werden.”

Sep 30th, 2011 | By JB | Category: Allgemein, Natur und Umwelt, Stadtentwicklung

Wieviel dieser Satz aus dem Kooperationsvertrag zwischen SPD und Grünen wert ist, weiß mittlerweile jede/r denkende Bürger/in in Kiel.

Während vor dem Rathaus die Sache der Bürgerinnen und Bürger auf einer großen Kundgebung vertreten wurde, stimmte die Ratsversammlung mit den Stimmen von Grünen, SPD, SSW, CDU und FDP mit großer Mehrheit dem Grundsatzbeschluss zur Ansiedlung von Möbel Kraft auf ca. 17ha auf dem Prüner Schlag zu.
Ein Artikel in der heutigen KN (30.09) zeigt dazu ein aussagekräftiges Bild. Da folgt der Kraft-Geschäftsführer eingerahmt von Florian Großmann (Stadtplanungsamt) und Peter Beckmann (Kieler Wirtschaftfördergesellschaft, KIWI) im Ratssaal der Debatte – die Betroffenen wie die Kleingärtner sind nicht im Bild. Sie mussten mit den Zuschauerbänken Vorlieb nehmen.

Mit dem Grundsatzbeschluss wurde dafür gestimmt, dass die Stadt ein wichtiges Stück ihrer grünen Lunge verliert. Den Kleingärtnern sollen angeblich schnell Ausgleichsflächen in der Nähe angeboten werden. Wo das sein soll, blieb allerdings ein Geheimnis. Dafür lieferte Bürgermeister Todeskino (Grüne) je nach Sicht Zynismus oder Realsatire. Während er für den Verkauf der Kleingärten an Möbel-Kraft warb, mäanderte er über experimentelle Formen des Kleingärtnerns mit Parzellengrößen von 75 qm bis 200 qm für Leute, die da mal reinschnuppern wollen.
Neben dem aktuellen kulturellen Verlust für das Kleingartenwesen, bedeutet es auch die Zerstörung einer der ältesten Kieler Gartenanlagen, die als Armengärten gegründet wurden. Auch wenn die Anlage heute anders aussieht, stellt sie ein kulturelles Gut dar. Anders als die Ansiedlung von Krieger mit den Marken Skonto (Möbeldiscounter) und Möbel Kraft.

Möbel Kraft würde nur 1,5 km von der Innenstadt entfernt sein und mit seinem typischen gastronomischen Angeboten und Kleinsortimenten den angeschlagenen Einzelhandel in der Innenstadt weiter schwächen. Ein weiterer Beleg dafür, dass unsere städtischen Volksvertreter nicht in der Lage oder nicht willens sind ihrer Aufgabe nachzukommen und z.B. ein sinnvolles Einzelhandelskonzept vorlegen. Sie überlassen die Stadtentwicklung Investoren, die WIR nicht gewählt haben.

Glaubwürdigkeit demonstrierte Ratsherr Björn Sander (Grüne), der trotz seiner dauernd auf ihn einredenden Fraktionschefin die Ratsversammlung die Abstimmung aus Protest verließ und auf seiner Webseite schreibt: “Stadtentwicklung muss zur Sache der Bürgerinnen und Bürger werden. Leere Worte! Daher habe ich in der Grünen Fraktion meine beiden Sprecherfunktionen “Umweltpolitik” und “Kleingärten” niedergelegt. Während der Abstimmung in der Ratsversammlung habe ich aus Protest die Versammlung…” (mehr: hier)

Mehr zum Thema Möbel-Kraft:
http://kgv-kiel1897.de
http://kg-kiel.bund.net
http://www.petitiononline.de/petition/gegen-moebelkraft-in-kiel/515

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